S04 Akzentregeln und Enklitika

I

FAUSTREGEL: AKZENTE

 

a

Der Akut kann auf kurzem oder langem Vokal der letzten (ultima), der vorletzten (paenultima)
oder der drittletzten (antepaenultima) Silbe stehen
(aber: letzteres nur, wenn der Vokal der letzten Silbe kurz ist).

ὁ θες, oἱ θεοί, ἡ ἀρχ, αἱ ἀρχαί
ὁ κσμος, ἡ νκη, τὸ ργον
νθρωπος, ἡ τρπεζα (Tisch)
(aber: τοῦ ἀνθρπου, τῆς τραπζης - s. Vb)

b

Der Gravis steht statt eines Akuts auf dem Vokal der letzten Silbe,
wenn ein weiteres Wort und kein Satzzeichen folgt
(Ausnahme: folgendes Enklitikon).


ὁ μακρς θεός
(Ausnahme:  θεός τις, θεοί τινες - s. VI a, b)

c

Der Zirkumflex kann auf langem Vokal der letzten (ultima)
oder der vorletzten (paenultima) Silbe stehen
(aber: letzteres nur, wenn der Vokal der letzten Silbe kurz ist).

τοῦ θεοῦ, τς ἀρχς 
οἶκος, τὸ ζον
(aber: τοῦ οἴκου, τοῦ ζου - s. Vb)

 

 

 

II

SONDERFÄLLE: ALS KURZ GELTEN

 

a

die Deklinations-Endungen -oι und -αι des Nom.Pl.m./f.

οἱ νθρωποι, οἱ οἶκοι, αἱ νκαι

b

die Konjugations-Endungen auf -αι der 1.Sg., 3.Sg./Pl.
und diejenigen der Infinitive

λύομαι, λύεται,
λύεσθαι, λῦσαι

c

ein unbetonter (!) langer Vokal in der paenultima

νθρωπος  

 

 

 

III

ERLÄUTERUNG: LANGE VOKALE

 

a

Lange Vokale können als verdoppelte kurze Vokale aufgefasst werden. Sie bestehen aus zwei Vokal-Einheiten.

ω ≙ ο-ο, ᾱ ≙ α-α, ῑ ≙ ι-ι,  η ≙ ε-ε

b

Diphthonge sind als zwei Vokal-Einheiten grundsätzlich lang.

α-ι, ε-ι, ο-ι, υ-ι, α-υ, ε-υ, η-υ, o-υ

 

 

 

IV

ERLÄUTERUNG: AKZENTE UND VOKAL-EINHEITEN

 

c

Der Akut bezeichnet den Hochton eines Wortes auf kurzem Vokal.

ὁ κόσμος, ὁ οὐρανός

d

Der Akut auf langem Vokal zeigt,
dass die zweite Vokal-Einheit hochtonig ist.


ἡ ἀγορά ≙ ἀγ-ο-ρα-ά

e

Der Zirkumflex zeigt, dass die erste Vokal-Einheit eines langen Vokals oder Diphthongs hochtonig ist:
Er ist als Akut (Hochton) auf der 1. Einheit + Tiefton (Gravis) auf der 2.
zu deuten. Geschrieben wird er aber auf der 2. Einheit des Diphthongs.



τῆς ἀγορᾶς ≙ ἀ-γ-ο-ρά-ὰς
ὁ οἶκος ≙ ό-ἲ-κος

 

 

 

V

KONSEQUENZ: AKZENTVERSCHIEBUNG

 

a

Ein Wort darf mit höchstens zwei unbetonten Vokal-Einheiten ausklingen.

ὁ φιλ-σο-φος, ὁ οἶκος ≙ -ἲ-κος

b

Das hat Akzentverschiebungen beim Typus "φιλόσοφος" und "οἶκος" zur Folge, wenn die ultima lang wird (also wenn z.B. im Genitiv in der letzten Silbe zwei Vokal-Einheiten stehen).

τοῦ φι-λο-σ-φο-υ, τοῦ ο-κο-υ

 

 

 

VI

ENKLITIKA

 

 

Enklitika, "sich anlehnende" Wörter stehen im Akzentschatten des vorangehenden Wortes und bilden mit ihm gleichsam ein einziges Wort.
Es gilt:

Beispiele für Enklitika: εἰσί(ν) sie sind
τις irgendeine/r - Gen. τινός, Pl. τινές einige
 

a

Einsilbige Enklitika erhalten nie einen Akzent.

θεός τις, λόγος τις, οἶκός τις, φιλόσοφός τις

b

Zweisilbige Enklitika ebenso,

θεοί τινες, ------, οἶκοί τινες, φιλόσοφοί τινες

c

d

außernach einem Wort mit Akut auf der paenultima;
dann werden die Enklitika auf ihrer ultima akzentuiert:
So auch, wenn sie allein, am Satzanfang oder nach einer Elision stehen.


 λόγοι τινές, λόγων τινῶν
τινές; -  εἰσὶ φιλόσοφοι - μικροὶ δ' εἰσίν

e

Das voranstehende Wort erhält einen zweiten Akzent auf der ultima,
wenn die antepaenultima einen Akut
oder die paenultima einen Zirkumflex trägt.


φιλόσοφός τις φιλόσοφοί τινες
οἶκοί τινες

f

SONDERFALL: AUFEINANDERFOLGENDE ENKLITIKA

 

 

In einer Reihe von Enklitika wirft jedes seinen Akzent als Akut auf das vorhergehende.

εἴ τίς γε, εἴ τινές γε
wenn einer/einige wenigstens